Orientteppich – ein Meisterwerk aus der Wiege der Teppichknüpfkunst!

Beim Gedanken an einen freiliegenden Teppich denken sicherlich auch Sie sofort an Orientteppiche. Dies liegt an der Tatsache, dass der Orient als Wiege der Teppichknüpfkunst betrachtet wird. Der sogenannte „Teppichgürtel“ reicht dabei von Nordafrika (beginnend in Marokko) über den Nahen Osten bis nach Asien. In diesen Ländern entstehen prachtvolle Teppiche, die eigentlich nur den Namen Kunstwerke verdienen. Wenn auch Sie sich für einen Orientteppich interessieren, bieten wir Ihnen hier einen kleinen Überblick mit den wichtigsten Fakten.

Was ist ein Orientteppich?

Orientteppiche lassen sich auf verschiedene Art und Weise definieren. Der einfachste Ansatz besteht darin, dass die Teppiche im sogenannten „Teppichgürtel“ hergestellt werden. Doch hierzulande verbinden wir mit dem Begriff Orientteppich einfach auch gewisse Merkmale:

  • Handgeknüpfte oder handgewebte Teppiche
  • Fäden bestehen aus gezwirnter oder gesponnener Wolle, Baumwolle oder Seide
  • Die Teppiche sind mit kunstvollen Mustern und Motiven versehen
  • Jedes Stück ist ein Original

Trotz dieser Merkmale gibt es jedoch eine sehr große Bandbreite im Bereich der Orientteppiche, so dass es auch für Ihren Geschmack sicherlich ein passendes Exemplar gibt.

Hinweis: Zum Bereich der Orientteppiche wird auch der Kelim gezählt, der jedoch ohne durchgezogenen Schussfaden gewebt wird. Diese einfache Webform stammt Schätzungen zufolge von Nomadenstämmen. Trotzdem ist der Kelim heute im gesamten „Teppichgürtel“ verbreitet.

In welchen Ländern werden Orientteppiche vornehmlich hergestellt?

Der „Teppichgürtel“ von Nordafrika bis nach Zentralasien ist ein sehr großes Gebiet, welches verschiedene Kulturen und auch unterschiedliche Traditionen der Teppichknüpfkunst mit sich bringt. Die bedeutendsten Regionen werden nun etwas genauer vorgestellt:

  1. Orientteppiche aus Nordafrika

Die älteste Teppichknüpftradition in Nordafrika besteht ganz klar in Marokko, jedoch werden heute zudem auch in Ägypten und Tunesien Orientteppiche geknüpft. Dabei weisen die drei Länder natürlich individuelle Unterschiede auf:

Land Besonderheiten
Tunesien In Tunesien hat die Stadt Kairouan eine große Bedeutung im Bereich der Teppiche. Hier werden Kairouan-Teppiche geknüpft, die eindeutig türkische Teppiche als Vorbild aufweisen. Sie bauen vor allem auf geometrische Formen und kräftig-satte Farben wie Rot und Blau. Darüber hinaus werden auch noch Teppiche aus ungefärbter Wolle in verschiedenen Weißtönen in Tunesien gefertigt.

 

Weitere Besonderheiten:

–      Berberteppiche

–      Nepalteppiche

Marokko Marokko ist vor allem berühmt für seine Berberteppiche aus dem Atlasgebirge. Die weißen Beni Ourain sind hohem Flor ausgestattet und werden mit handgemalten schwarzen Linien geschmückt. Darüber hinaus werden in Marokko jedoch auch persische und türkische Teppiche geknüpft.
Ägypten Neben persischen und türkischen Teppichen ist Ägypten heute auch wieder für die Mamelucken-Teppiche bekannt, die sich durch ein kleines Gittermuster oder andere geometrische Formen auszeichnen und kräftige Farben aufweisen. Ferner werden hier auch die Kairo-Teppiche geknüpft, die auf persische Muster setzen.

 

  1. Persische Teppiche

Ein Teppich aus Persien (auch Perserteppich) stellt den Höhepunkt der Orienteppiche dar, denn im Iran und den umliegenden Gebieten wird die Kunst des Teppichknüpfens bis zur Perfektion betrieben. Detaillierte Motive und Muster sowie feinst gewebte Teppiche in vielen Variationen gehören hier zum Angebot. Weitere Besonderheiten liegen vor allem in diesen Aspekten:

  • Asymmetrischer Knoten: Mit dem asymmetrischen Knoten (auch persischer Knoten) wird ein Kettfaden eines Paars nicht mit einer Schlaufe geknüpft, sondern locker geführt. Dies erlaubt deutlich feinere Knüpfungen und sorgt für den unglaublichen Detailreichtum, den Muster und Motive von Orientteppichen aus Persien bieten.
  • Sehr hohe Knüpfdichte: Gerade die Perserteppiche aus Isfahan oder Nain bieten sehr hohe Knüpfdichten und dabei ein außerordentlich kunstvolles Design. Die hohe Anzahl an verschiedenen Motiven reichen von der Vasentechnik (Kerman) über Spiralranken und Boteh (stilisiertes Auge oder Mandel) bis hin zu Schah Abassi (stilisierte Palmetten).
  • Große Farbvielfalt: Ob Nain, Bidjar oder Gabbeh – die Farbvielfalt von persischen Orientteppichen ist sehr groß. Oft wird als Grundton Blau, Rot oder Beige verwendet, wohingegen die Muster und Motive vielfarbig passend gewählt werden.
  1. Türkische Orientteppiche

Türkische Orientteppiche sind von ihrer Kunstfertigkeit durchaus mit persischen Teppichen zu vergleichen. Hier wird allerdings der symmetrische Knoten verwendet, der für eine besonders gute Haltbarkeit steht. Dafür entsteht insgesamt eine nicht ganz so feine Knüpfung. In punkto Muster und Motive bietet der anatolische Teppich eine sehr große Vielfalt, wie die folgende Beispiele zeigen:

  • Tierteppiche: Orientteppiche mit Tiermotiven waren in der Türkei im 13. Und 14 Jahrhundert sehr beliebt. Sie zeigen verschiedene Tiere und auch Drachen in unterschiedlichen Posen. Zum Ende des 15. Jahrhunderts ging diese Strömung mehr und mehr zurück, was auf die Verbreitung des islamischen Glaubens und einem damit verbundenen Bilderverbot im osmanischen Reich zurückgeführt wird.
  • Holbein-Teppiche: Die nach einem Renaissance-Maler benannten Teppiche waren in Europa zunächst auf entsprechenden Bildern zu sehen. Sie zeichnen sich durch das Achteck als leitendem Motiv und einem Sternenmuster aus. Dabei dominieren die Farben Rot und Blau. Ein solcher Teppich zeigt, was türkische Teppichknüpfer an Kunstfertigkeit aufbieten können.
  • Selendi-Teppiche: Ein Teppich im Selendi-Stil zeichnet sich durch einen weißen Untergrund aus. Durch diese Farbwahl entstehen ganz eigene Kompositionen.
  1. Afghanische und turkmenische Teppiche

Wenn es um Orientteppiche geht, dürfen natürlich auch die afghanischen und turkmenischen Teppiche nicht fehlen. Einen echten Afghanen erkennen Sie hier oftmals an der Farbwahl, denn es wird ein tiefes Rot genutzt, welches fast schon ins Bräunliche geht. Achteckige Sterne sowie sehr aufwendig gegliederte Bordüren sind ein weiteres Markenzeichen dieser Orientteppiche. Darüber hinaus weist ein afghanischer Orientteppich folgende Merkmale auf:

  • Mittlere Knüpfdichte
  • Als Flor und Kettenfäden wird häufig Wolle verwendet
  • Mitunter wird auch Ziegenhaar genutzt
  • Der symmetrische Knoten (auch türkischer Knoten) ist die gängige Art der Knüpfung

Als weitere große Errungenschaft können die Afghanen das Herati-Muster für sich verbuchen, welches mittlerweile in zahlreichen persischen Orientteppichen von Bidjar und Täbris Verwendung findet. Die einzigartige Kombination aus Rauten und stilisierten Blüten weiß auch heute noch viele Kunden zu begeistern.

Ein turkmenischer Orientteppich ist den afghanischen Exemplaren zumindest in der Farbwahl sehr ähnlich. Auch hier dominieren Rottöne bis ins Bräunliche. Sehr bekannt sind hierbei die Teppiche aus der „Buchara“-Gruppe, die sich alle durch ihren seidigen Look auszeichnen. Dies liegt an der Erstschurwolle, die für die Knüpfung verwendet wird. Vorherrschendes Motiv ist hierbei ein GÖL, welches als Rundform oder Stern angelegt wird. Darüber hinaus ist auch die für die Region typische breite Bordüre zu finden.

 

Orientteppich kaufen – das sollten Sie beachten!

Wenn Sie sich für einen Orientteppich interessieren, sollten Sie sich bereits vor der Auswahl einige Aspekte bewusstmachen. Auf diese Weise können Sie die Auswahl am Ende schnell eingrenzen und innerhalb Ihrer selbst gesetzten Auswahlkriterien den für Sie passenden Teppich heraussuchen:

Aspekt Fragen Auswahlfilter
Preis –      Wie viel Budget steht für den Teppich zur Verfügung?

–      Was sind Sie bereit, für einen Orientteppich auszugeben?

Sie können bereits vorher einen bestimmten Preis als Höchstgrenze festlegen. Somit brauchen Sie sich nur Orientteppiche anzuschauen, die in Ihrer Preisklasse liegen.
Größen –      Wo soll der Teppich liegen?

–      Welche Größe darf der Teppich aus dem Orient maximal haben?

–      Ab welcher Größe wirkt der Teppich im gewünschten Raum „verloren“?

–      Hebt der Fußboden den Teppich hervor oder stört die Optik eher? (größenrelevant)

Sie können Maximal- und Mindestwerte für die Größe festlegen und Ihre Suche auf diese Größen weiter eingrenzen.
Stabilität –      Wo soll der Teppich liegen? (Unter einem Esstisch oder z.B. in einem wenig genutzten Bereich?)

–      Welche Belastungen muss der Teppich aushalten? (Abrieb von Stühlen, Essensreste?)

Ein gröberer, schwerer und haltbarer Orientteppich ist an stark genutzten Stellen im Haus sicherlich die bessere Wahl. Er kann Beanspruchungen besser verkraften und verrutscht zudem nicht so leicht. An wenig genutzten Stellen können hingegen Eleganz und Musterung die wichtigsten Kriterien für einen Teppich aus dem Orient darstellen.
Farben –      Welche Farbe passt zur Einrichtung in dem Raum?

–      Welche Farbe gefällt mir bei meinem Orientteppich besonders?

Bei der Farbwahl sollte natürlich Ihr persönlicher Geschmack eine wichtige Rolle spielen. Der klassische Orientteppich wird in vielen mit Rot assoziiert, wobei es auch wirklich bemerkenswerte Arbeiten aus dem Orient mit Hauptfarben wie Blau oder Beige gibt.
Muster –      Wie sind die Möbel im Raum angeordnet?

–      Welches Muster gefällt mir?

Ein Medaillon in der Mitte sorgt dafür, dass Sie Ihre Möbel symmetrisch zum Teppich anordnen, um den Gesamteindruck nicht zu stören. Ansonsten sollte Ihr Teppich aus dem Orient Ihnen vor allem gut gefallen.

 

Wenn Sie sich einen Teppich aus dem Orient kaufen möchten, stellt dies eine echte Investition in Ihren Hausrat dar. Die Teppiche haben Ihren Preis, aber auch einen gewissen Wert. Während Sie einen Läufer relativ einfach und ohne große Planung kaufen können, sieht dies bei einem Orientteppich also schon anders aus.

 

Mit einem Orientteppich Atmosphäre schaffen

Sie mögen Orientteppiche und möchten eine ganz besondere Atmosphäre in Ihre eigenen vier Wände tragen? In diesem Fall liegen Sie mit einem Orientteppich wie einem Perser oder einem Kelim genau richtig. Die Auswahl im Bereich der Orientteppiche ist jedoch so groß, dass Ihnen die Entscheidung für ein bestimmtes Exemplar bestimmt nicht leichtfallen dürfte. Darüber hinaus existieren die Teppiche in vielen verschiedenen Größen und auch das Farbspektrum beschränkt sich nicht nur auf Rot, Blau und Beige. Mit der richtigen Eingrenzung haben Sie jedoch die Möglichkeit, alle praktischen Aspekte vorher festzulegen und am Ende nur noch Ihren persönlichen Geschmack sprechen zu lassen!